Dregeno Seiffen
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Der Papst oder Martin Luther? Alles Einstellungssache.

Von Dr. Sylva-Michèle Sternkopf

Martin Luther oder der Papst – wer ist Ihnen lieber? Anlässlich des bevorstehenden Reformationstages am 31. Oktober darf man diese Frage einmal stellen. Noch dazu, wo sich die Reformation 2017 zum 500. Mal jährt. Im Erzgebirge ist man der Zeit wie immer ein Stück voraus und stellt schon mal eine revolutionäre Neuerung vor: Ein Wetterhäuschen, bei dem man ganz nach religiöser Einstellung selbst entscheiden kann, ob für einen eher beim Anblick Luthers oder des Papstes die Sonne aufgeht.

Die Idee für dieses ebenso witzige wie geschmackvolle Accessoire hatte Jochen Eisentraut, Architekt und Künstler aus Luthers Geburts- und Sterbestadt Eisleben. Und so ist auch das Wetterhäuschen ein stilechtes Architektenhaus. Die kubistische Form atmet den Geist der Moderne. Die Farbgebung in dunklem Ebenholzton unterstreicht den edlen Anspruch. In der Mitte ein stilisiertes Kreuz, Gold unterlegt. „Der senkrechte Spalt verweist auf die Spaltung der Kirche vor 500 Jahren“, so Architekt Eisentraut. „Das Wetterhäuschen erzählt mit einfachen Mitteln vom Zwiespalt zwischen Luther und dem Papst.“
Diesen Zwiespalt kann ab sofort jeder für sich selbst neu interpretieren. Die traditionelle Hygrometer-Technologie macht’s möglich. Je nachdem, ob man das Wetterhäuschen beim ersten Einstellen auf „katholisch“ oder „evangelisch“ eicht, schaut bei schönem Wetter Luther oder der Papst heraus. Und wieder einmal zeigt sich: Es ist doch alles Einstellungssache.

Natürlich wollten wir wissen, wie das funktioniert. Dafür sind wir ins Spielzeugdorf Seiffen gefahren, wunderschön im Erzgebirge gelegen. Johanna Kaden von der Kunsthandwerkergenossenschaft Dregeno, die das Wetterhäuschen gemeinsam mit Architekt Eisentraut zur Reife gebracht hat, führt uns in eine kleine Seitenstraße. Vorbei geht es an einem winzigen Häuschen mit großen Sonnenblumen davor. „Hier wohnt eigentlich der Wettermann von Seiffen“, erzählt sie. „Gottfried Hübsch. Seit 1935 werden in seiner kleinen Werkstatt die bekannten erzgebirgischen Wetterhäuschen hergestellt. Spitzes Dach, kleine Fenster, Blumentöpfe auf den Fensterbrettern – so wie das Haus, vor dem wir gerade stehen. Und je nach Wetterlage schaut bei schönem Wetter die Frau heraus, bei Regen der Mann. Da kann man – im Gegensatz zum neuen Wetterhaus – nichts dran drehen“, lacht sie.

Doch wir gehen vorbei am Haus von Gottfried Hübsch. „Er ist 83“, sagt Johanna Kaden. „Natürlich haben wir ihn zuerst gefragt, ob er das Luther-Papst-Häuschen bauen will. Aber er möchte nicht mehr.“ Also ziehen wir ein Haus weiter. Denn wie es in Seiffen so ist, macht es eben der Nachbar, wenn der eine nicht mehr kann. Der Nachbar, das ist Tino Günther. Und sein Vater Johannes. Auch der ist 83, ist mit Gottfried Hübsch in die Schule gegangen. Jetzt sitzt er konzentriert an einem langen Tisch in der Werkstatt, vor sich einen Stapel präzise zugeschnittener Brettchen. Daraus baut er das Gehäuse für die Wetterhäuschen. Mit geübtem Blick und sicherer Hand legt er die Brettchen über Eck aufeinander, passgenau und hochpräzise. Mittels einer selbst gebauten Lehre überprüft er den Sitz. Passt. „Hier kommt es auf den Millimeter an“, sagt er erfahrene Handwerker. „Kästchen bauen ist eine Kunst für sich.“ In der Werkstatt der Günthers ist man darin geübt. Seit über 100 Jahren werden hier Spielwaren hergestellt, früher waren auch viele Puppenmöbel dabei, die ähnliche Fertigkeiten bei der Montage erforderten. Davon kann Johannes Günther heute profitieren. Seit wann er hier arbeitet? „Schon immer“, kommt die Antwort unter der Brille hoch, die vor Konzentration bis auf die Nasenspitze gerutscht ist. Er ist hier geboren und hat sein Leben lang hier gearbeitet. „Und ich hoffe, dass ich hier auch sterben kann. Etwas Schöneres gibt es doch nicht, als sein Leben lang bei seiner Familie zu sein“, sagt der alte Mann. Da würden sicher sogar Luther und der Papst zustimmen.


Das Wetterhäuschen:

Wen sehen Sie am liebsten, wenn Sie morgens aufwachen? Ihren Mann, Ihre Frau, Ihre Kinder? Im Erzgebirge gibt es dafür seit über 80 Jahren eine ebenso liebenswerte wie praktische Erfindung: das Wetterhäuschen. Bei schönem Wetter schaut die Frau heraus, bei schlechtem Wetter der Mann. Am besten hängt man das Wetterhäuschen im Zimmer an einer Außenwand auf. Dort spürt das Hygrometer im Inneren den Luftfeuchtigkeitsunterschied am besten.

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Ansprechpartner


Johanna Kaden
Tel.: 037362 8778-22
E-Mail: j.kaden@dregeno.de

 

 

 


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