Vom Baumstamm zur Figur

Wie wird aus einem Baumstamm ein Männel? Wie kommt das Holz aus dem Wald? Und welche Schritte sind nötig, um aus fünfzehn Meter langen Riesen fünfzehn Zentimeter hohe Kunstwerke zu drechseln? Ein Besuch im Sägewerk gibt Einblicke.

Das Seiffener Freilichtmuseum

Von Sylva Sternkopf

Noch heute suchen viele Handwerker im Erzgebirge persönlich im Wald die Stämme aus, aus denen sie ihre Figuren fertigen. Der Großteil des Holzes, das hier verarbeitet wird, stammt aus einheimischen Wäldern: von Birke, Buche und Ahorn über Linde, Eiche, Erle und Esche bis hin zu Fichte, Kiefer, Lärche und Douglasie. Die Sägewerke der Region haben sich auf die Anforderungen des hier ansässigen Kunsthandwerks spezialisiert und verarbeiten viele verschiedene Holzarten in unterschiedlichen Stärken und Qualitäten. Das ist selten und besonders, anderswo sind Sägewerke meist auf wenige Sorten spezialisiert. »Die Handwerker hier brauchen unterschiedliche Holzarten in kleinen Mengen, aber in verschiedenen Stärken«, erzählt Wolfgang Heidrich vom gleichnamigen Sägewerk in Brüderwiese. In der großen, modernen Gatteranlage werden die Stämme zunächst in Bretter geschnitten, später zu den sogenannten »Kanteln« mit einem quadratischen Querschnitt von zwei bis zehn Zentimetern. Diese sind das perfekte Futter für die Drehbänke, an denen die Erzgebirgischen Kunsthandwerker ihre Figuren drechseln.

Wie das Sägen vor über zweihundert Jahren vonstattenging, davon kann man sich im Seiffener Freilichtmuseum ein Bild machen. Ein originales Wasserkraftsägewerk aus dem 18. Jahrhundert, das ursprünglich in Pfaffenhain stand, wurde 1979 ins Museum umgesetzt. Im Inneren sieht man, wie über Riemen und Schnuren vier verschiedene Säge- und Gattertypen in Bewegung versetzt wurden – ein faszinierendes Schaufenster der Technikgeschichte. Auch ein Flößerhaus aus dem 18. Jahrhundert ist im Freilichtmuseum zu sehen. Denn früher wurde das Holz aus dem Wald zum Sägewerk geflößt – das war die preisgünstigste Transportmethode, und die Flüsse des Erzgebirges boten sich dafür hervorragend an.

Zum alljährlich im September stattfindenden Tag des Historischen Handwerks lässt sich auch das alte Wasserkraftsägewerk in Aktion erleben.

Ausflugstipp
Das Freilichtmuseum in Seiffen entführt den Besucher in das erzgebirgische Leben des 18. bis 20. Jahrhunderts. Vierzehn urige kleine Häuschen – alles echte Originale aus der Region – sind nach Art einer typisch erzgebirgischen Streusiedlung um das Herzstück der Anlage, das Preißler’sche Wasserkraft-Drehwerk von 1760, herum gruppiert. Sie machen die Vielfalt der traditionellen Holzverarbeitung erlebbar: Original eingerichtete Wohnhäuser mit Werkstätten vom Spielzeugmacher, Spankorbmacher, Waldarbeiter, Stellmacher und Archenhersteller erzählen von alten Handwerken und vergangenen Zeiten. Ein historisches Sägewerk, eine Umspannstation, ein Flößerhaus und eine Köhlerei geben Einblicke, was zur Spielzeugherstellung aus Holz noch alles nötig war. Tägliche Vorführungen lassen den Besucher Leben, Handwerk und Alltag vor über 100 Jahren hautnah erleben.

Seiffener Freilichtmuseum
Hauptstraße 203, 09548 Kurort Seiffen
www.spielzeugmuseum-seiffen.de