Von Blumen, die niemals welken

Die Blumendrechslerei Leichsenring aus Seiffen ist seit Jahrzehnten für filigrane Blüten bekannt. Wir haben Gitta Kreißl in ihrer Werkstatt besucht.

Gitta Kreißl mit ihrem Meisterstück: eine »Schatztruhe« mit Blumenmarkt

Von Stefanie Hartmann | Fotos: Manuela Hamburg

Im Garten vor der Werkstatt Leichsenring prangt ein riesiger Blumenstrauß. Auf den großen Blättern aus Holz sonnt sich ein Marienkäfer. In der Werkstatttür steht fröhlich lächelnd Gitta Kreißl, die seit 1995 das Familienunternehmen leitet. Ein Kronleuchter aus bunten Holzperlen fängt den Blick des Besuchers. Die leuchtend gelben und orangefarbenen Kugeln, jede einzelne von Hand gedrechselt und bemalt, tauchen den Raum in warmes Licht. Der Leuchter ist ein altes Familienstück und wird immer noch benutzt. »Von Zeit zu Zeit arbeiten wir ihn auf und dann sieht er wieder schick aus«, lacht Gitta Kreißl.

So bunt wie ein blühender Sommergarten

In der Malstube: Blumen, soweit das Auge reicht. Sonnenblumen, Hyazinthen, Astern, Margeriten und sogar blühende Kakteen aus Holz findet man hier. Die gerollten Blumen, welche ursprünglich als Beiwerk für Figuren entworfen wurden, haben sich mittlerweile zum Markenzeichen der Firma entwickelt. »Die Idee ist nicht von hier. Aber wir haben die Vielfalt der Blüten zum Leben erweckt.« Gitta Kreißl liebt Blumen: »Vor allem Sonnenblumen, das sind meine Gute-Laune-Blumen«, lacht sie und holt eine große Schatztruhe aus dem Regal. Darin erstrahlt ein riesiger Blumenmarkt in einer wahren Blütenpracht – das 30 Jahre alte Meisterstück der gelernten Holzspielzeugmacherin.

Die kleinsten Blüten auf den Kakteen messen dabei nur rund drei Millimeter im Durchmesser. »Man vermutet es kaum, aber die großen Blüten von circa fünf Zentimeter Durchmesser sind weitaus schwieriger zu drechseln als die ganz kleinen«, erklärt Gitta Kreißl. Das ist wahre Handwerkskunst. Sechs Wochen am Stück hat sie an ihrem Meisterstück gearbeitet und dabei ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Viele Muster für die heutigen Blütenformen sind dabei entstanden.

Die Blüten werden aus weichem Lindenholz hergestellt, ähnlich wie beim Spanbaumstechen. Blütenblätter werden als Profilstab gedrechselt und dann abgespalten. Die Rundung ergibt sich dabei von ganz allein. Die Blüten brauchen eine besondere Farbe, damit das Holz nicht quillt. Traditionell wird für die Bemalung Ölfarbe verwendet, die den Farbton dezent aufträgt und die Holzmaserung perfekt zur Geltung kommen lässt.